altmarkgeschichte

Datenbank Historischer Grabmäler der Altmark





Wilhelm Friedrich Carl Emil von Lüderitz

Offizier

Sterbedatum:
29.08.1852
Ort:
Lüderitz
Standort:
Kirche
GPS:
11.742757 - 52.507997

Beschreibung:
Zustand:
Die gusseiserne Gedenktafel ist vollständig erhalten.

Dekor:
Ein erhabener Rand mir Zierborte umgibt die Metallplatte mit erhabener vergoldeter Inschrift. Die Ecken sind zusätzlich mit Rosetten dekoriert. Über dem Schriftfeld steht das Wappen derer von Lüderitz (ein Anker im Schild).

Inschrift:
AN DIESER KIRCHE RUHEN IN GOTT
LUDOLPH PHILIPP BERTRAM VON U. ZU LÜDERITZ
KURFÜRSTL. BRAND. GEHEIMER RATH, PRÄSIDENT U. OBER
STEUER – DIRECTOR DES FÜRSTENTHUMS HALBERSTADT,
DIRECTOR DER GRAFSCHAFT REGENSTEIN UND HAUPTMANN
DES AMTES EGELN, FREIHERR AUF LÜDERITZ, OTTERSBURG,
SCHERNEBECK U. UEPPLINGEN, * 1. V. 1628, † 18. IV. 1686.

JUSTINE LOUISE VON U. ZU LÜDERITZ, GEB.
VON HERTENFELDT, * 5. I. 1642, † 21. XII. 1721.

FRIEDRICH WILHELM VON LÜDERITZ, OBRIST A. D.
ERNHERR A. LÜDERITZ U. SCHERNEBECK, * 18. VI. 1662, † 6. III. 1725.

ANNA LOUISE VON LÜDERITZ, GEB. V. DÜHRINGEN,
† 9. IV. 1748.

LUDOLPH DANIEL VON LÜDERITZ,
OBRIST – LIEUTENANT A. D., RITTER DES ORDENS FOUR LE MERITE
ERBHERR A. LÜDERITZ U. SCHERNEBECK, * 18. IX. 1722, † 14. III. 1786.

HENRIETTE VON LÜDERITZ, GEB. VON ROCHOW,
† 7. IX. 1767.

SOPHIE VON LÜDERITZ, GEB. VON RUNDTSTEDT,
* 23. XII. 1758, † 1. VI. 1829.

FRIEDRICH LUDOLPH GEORG VON LÜDERITZ,
HAUPTMANN A. D., ERBHERR AUF LÜDERITZ U. SCHERNEBECK,
* 10. XI. 1776, † 4. VII. 1843.

FRIEDERIKE VON LÜDERITZ, GEB. V. BARSEWISCH,
* 9. IV. 1784, † 16. X. 1855.

WILHELM FRIEDRICH CARL EMIL V. LÜDERITZ,
LIEUTENANT A. D. * 22. V. 1780, † 29. VIII. 1852.

SOPHIE LOUISE FRIEDERIKE VON LÜDERITZ,
* 18. IV. 1798, † 28. VII. 1852.

LUDOLPH WERNER LEOPOLD VON LÜDERITZ,
LIEUTENANT A. D., ERBHERR AUF LÜDERITZ U. SCHERNEBECK,
* 1. IV. 1815, † 27. IV. 1870.

OLGA VON BOEHLENDORFF = KÖLPIN, * 5. V. 1854,
† 24. IV. 1875.

ACHT MINDERJÄHRIGE KINDER DERER
VON LÜDERITZ.

Anmerkung:
Da die Kirchenbuchüberlieferung von Lüderitz erst im Jahre 1775 einsetzt, konnten zu den älteren Personen, die auf der Gedenktafel genannt werden, in dieser Quelle keine Recherchen vorgenommen werden.

Vgl. Dienemann und Hasse „Nachrichten vom Johanniterorden“, Berlin 1767, S. 267. Demnach war Ludwig Bertram von Lüderitz (1686) verheiratet mit Justina Louisa von Hertefeld a. d. H. Hertefeldt, einer Tochter des Georg Wilhelm von Hertefeldt, Herr auf Hertefeldt und Kolck und Anna Justina von Hembritze. Neben seinen Verwaltungsämtern besaß der Verstorbene auch Gut und Dorf Lüderitz (vgl. dazu Enders „Die Altmark“ S. 485, 719).
In der Lüderitzer Kirche wurde ihm auch ein reich verziertes, hölzernes Epitaph gewidmet.

Laut dem genealogischen Internet-Portal (http://gedbas.genealogy.net) wurde Friedrich Wilhelm von Lüderitz am 18. Juni 1662 als Sohn des Ludolph Bertram von Lüderitz und Justine Louise von Hertefeld geboren. Er war mit Anna Luise Dühring verehelicht.
Zu den Besitzverhältnissen innerhalb der Familie von Lüderitz schreibt Lieselott Enders in ihrem Werk „Die Altmark“ auf S. 701: „1703 teilten sich drei Brüder in Dorf und Gut Lüderitz nebst Gut Ottersburg und zahlreichen anderen Einkünften gemäß einer Taxe des Gesamtbesitzes …. Der älteste, Hauptmann Friedrich Wilhelm v. Lüderitz erhielt Lüderitz mit einem Verkaufswert von 26.515 rt 8 gr, der Jagdjunker Ludolph Georg v. Lüderitz ein Teil von Ottersburg mit einem Verkaufswert von 6722 rt 10 gr, Leutnant Johann Philipp v. Lüderitz das andere Teil von Ottersburg im Verkaufswert von 7126 rt 12 gr. …“.
Die militärische Laufbahn wird angedeutet in „Biographisches Lexikon aller Helden und Militairpersonen, welche sich in Preußischen Diensten berühmt gemacht haben“, Berlin 1789, 2. Teil, S. 445: „Er war 1690 Kommendant zu Küstrin, und hatte 1685 als Obrister, das Besatzungsbataillon, woraus in der Folge, das jetzige von Möllendorffsche Infanterieregiment errichtet worden ist. 1689 den 21. April, ward er Generalmajor der Infanterie.“
Dem 1725 Verstorbenen wurde auch eine Grabplatte gewidmet, die auf dem Kirchhof nahe dem Westportal der Kirche liegt.

Im Sterberegister von Lüderitz wurden die nachfolgenden Todesfälle dokumentiert. Daraus erschließt sich, in welchem genealogischen Kontext diese Personen zueinander standen.

1786 starb Ludolph Daniel von Lüderitz „Seiner Königl. Maj: Obrist Lieutenant, Ritter des Ordens pour le merite, u Lehn u Gerichts Herr auf Lüderitz Schernebeck“ im Alter von 64 Jahren.
Er war in erster Ehe verheiratet mit Sophie Wilhelmine von Schenck. Die zweite Ehe schloss er 1759 mit Sophie Dorothea Friederike von Rochow (* Berlin 27. November 1727 † 5. September 1767), die eine Tochter des Friedrich Wilhelm von Rochow auf Reckhahn und Friederike Erhardine von Görne war. Nach deren Tod verheiratete sich Lüderitz mit Dorothea Sophie Charlotte Friederike von Rundstedt (* Schönfeld 23. Oktober 1758 † Stendal 1. Juni 1829). Vgl. Familiendatenbank NLF: Ludolf Daniel VON LÜDERITZ *1722 +1786 www.online-ofb.de › NLF

1829 verstarb Dorothee Sophie Charlotte Friederike von Lüderitz geb. von Rundstedt: „des weiland Königl: Preußl: Obristlieutenants Herrn Ludolph Daniel von Lüderitz, Ritters des Verdienstordens u Erb u Gerichtsherrn auf Lüderitz u Schernebeck, hinterbliebene Frau Witwe, geb: d 23ten Decembr 1758; gestorben zu Stendal den 1sten Juny früh um vier Uhr“. Als Todesursache wurde Mutterkrebs eingetragen. Sie wurde am 3. Juni 1829 „in der Familiengruft zu Lüderitz beygesetzt“.

1843 endigte Ludolph Friedrich Georg von Lüderitz „Hauptmann außer Dienst und Erbherr Lüderitz = Schernebeck“ sein Leben. Er wurde am 10. November 1776 in Lüderitz als Sohn des Ludolph Daniel von Lüderitz, Obristleutnant und Erbherr auf Lüderitz, und Friederike Dorothee Sophie Henriette von Rundstedt geboren. Brustkrampf wird als Todesursache genannt. „Ist beigesetzt in dem Familiengewölbe an der Kirche zu Lüderitz nach geschehener feierlichen Leichenrede.“ Er hinterließ seine Ehefrau Dorothee Friederike Johanne von Barsewisch, sowie einen Sohn und eine Tochter aus erster geschiedener Ehe und drei Söhne zweiter Ehe.

1852 starb lt. Kirchenbuch von Lüderitz an einem Brustkrampf Fräulein Sophie Louise Friederike von Lüderitz, „angeblich geboren in Lübbeke in Westphalen d: 18ten Aptil 1798, eheliche Tochter des verstorbenen Hauptman̅s a. D. Herrn Ludolph Friedrich Georg von Lüderitz, Ritter = Gutsbesitzer allhier, und dessen ersten Gemahlinn, einer gebornen Dönch, von welcher er später geschieden ist.“ Ihre Hinterbliebenen waren „der einzige rechte Bruder Georg von Lüderitz in Osterwiese bei Lübbeke in Westphalen; außerdem mehrere Halbgeschwister von Seiten des Vaters und der Mutter.“ Sie wurde „nach geschehener Leichenrede in dem von Lüderitzschen Gewölbe beygesetzt“.

1852 verstarb auch Wilhelm Friedrich Carl Emil von Lüderitz. Dieser wurde in Lüderitz am 22. Mai 1780 als Sohn des Ludolph Daniel von Lüderitz, Obristleutnant und Erbherr auf Lüderitz – Schernebeck, und Dorothea Sophie Charlotte Friederike von Rundstedt geboren. Zusammenfassend wurde zu seinem Leben im Kirchenbuch festgehalten: „war früher königlicher Lieutenant, wurde früh ganz blödsinnig und ist es geblieben. Er war unverehelicht.“ Lüderitz starb an Altersschwäche und „Ist in dem hiesigen Gutsgewölbe beigesetzt“ am 1. September 1852.

1855 endete das Leben von Dorothee Friederike Johanne von Lüderitz geb. v. Barsewisch. In Vielbaum wurde sie wurde 1784 als Tochter des Hauptmanns Friedrich von Barsewisch und dessen Ehefrau NN geb. von Treskow geboren. Sie war die „Nachgelassene Wittwe des verstorbenen Herrn Ludolph Friedrich Georg von Lüderitz, Hauptmann außer Dienst und Erbherrn auf Lüderitz = Schernebeck.“ Ihr „seit Monaten erwartete Tod erfolgte an Altersschwäche nebst Anstoß von Cholerina.“ Drei Söhne hinterblieben, als sie am 20. Oktober 1855 in „Lüderitz in der Stille beigesetzt“ wurde.

1870 verstarb an Schlagfluss der Leutnant a. D. und Gutsbesitzer Ludolph Werner Leopold von Lüderitz. Er wurde am 1. April 1815 als Sohn des Kapitäns Ludolph Friedrich Georg von Lüderitz und dessen Ehefrau Dorothee Friederike Johanne von Barsewisch verw. Obrist von Kleist geboren. Zwei Brüder hinterblieben, als er in der Familiengruft in Lüderitz beigesetzt wurde.

1875 starb Olga Karoline Luise von Boehlendorff – Kölpin. Im Sterberegister von Lüderitz wurden zu ihrer Herkunft keine näheren Angaben gemacht. Es ist lediglich zu erfahren, dass sie an einem Herzleiden verstarb und wo sie begraben wurde: „Beigesetzt im Gewölbe mit L(eichen) Pr(edigt)“.
Sie wurde in Stettin als Tochter des preußischen Regierungsassessors August Kölpin (* Stettin 16. September 1820 † Stettin 28. Juli 1857) und dessen Ehefrau Berta Freiin von Puttkammer (* Jassen 18. Juli 1822 † Berlin 10. März 1899) geboren. Nach dem Tod des Vaters ging die Mutter in Berlin am 3. Mai 1863 eine zweite Ehe mit dem preußischen Generalleutnant Hermann Friedrich Wilhelm Alexander von Lüderitz (* Orpensdorf 1. Januar 1814 † Berlin 13. November 1889), einem Sohn von Hauptmann Ludolph Friedrich von Lüderitz und Dorothea Friederike Johanne von Barsewisch verw. von Kleist, ein. (Vgl. dazu auch: Bertha Von Puttkamer - Historical records and family trees – MyHeritage https://www.myheritage.com/names/bertha_von%20puttkamer)

Lage:
Die Gedenktafel hängt innerhalb der Kirche an der Nordwand des Schiffes.

Text und Foto:
Frank Moldenhauer, Magdeburg 2018